Zitierst Du wie Guttenberg oder wissenschaftlich korrekt?
Die Wissenschaft steht angesichts der nachgewiesenen Plagiatsvorwürfe gegenüber Herrn zu Guttenberg unter Generalverdacht. Der Stein des Anstoßes ist der nicht korrekte Ausweis von Eigenleistung und Fremdleistung in wissenschaftlichen Arbeiten (Definition Plagiat)
Unter dem Projekt „GuttenPlag Wiki“ werden mögliche Plagiate der Dissertation von Herrn zu Guttenberg einzeln aufgelistet. Das Schaubild zeigt das Ausmaß der von den Internetusern gefundenen Plagiate (Stand 23.02.2011: ca. 73%):

Im heutigen Blogpost räumen wir auf mit der gegenwärtigen Unsicherheit und gehen der – für alle Studenten so wichtigen – Frage nach: ….
WANN muss WIE zitiert werden?
In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen 2 Zitatformen: Das direkte, wörtliche Zitat und das indirekte, nichtwörtliche, also sinngemäße Zitat:

Damit wir an dieser (Stolper-)Stelle 100%ige Klarheit haben, orientieren wir uns im Folgenden an den Ausführungen eines Klassikers zum Thema „Wissenschaftliches Arbeiten“ von Prof. Theisen von der LMU München:
Ein direktes Zitat liegt demnach vor, „wenn Ausführungen eines Dritten wörtlich in den eigenen Text übernommen werden. Derartige Übernahmen haben buchstaben- und zeichentreu zu erfolgen. Jedes direkte Zitat muss im Text in Anführungszeichen gesetzt werden; der Zitatvermerk steht nach dem abschließenden Anführungszeichen. Die Fußnote beginnt nach der Ziffernangabe mit dem Nachnamen des zitierten Autors ohne hinweisende Vorbemerkung.“[1]
Als indirektes Zitat bezeichnet man „jede Form einer textlichen Anlehnung, sinngemäßen Wiedergabe oder auch nur stützenden Argumentation unter Verwendung fremder Gedanken und Ausführungen.“[2]
„Indirekte Zitate stehen niemals in Anführungszeichen. Sie werden im Text nur durch einen Fußnotenvermerk gekennzeichnet; die Fußnote selbst muss mit einem „Vgl.“ (= Vergleiche) oder „S.“ (= Siehe) beginnen.“[3]
Im Umkehrschluss stellt sich natürlich auch die Frage:
WAS muss NICHT zitieren werden?
Prof. Theisen stellt hierzu fest:
„Nicht zitiert werden muss in einer wissenschaftlichen Arbeit darüber hinaus solches Allgemeinwissen, das jedem Konversationslexikon entnommen werden kann; dies gilt auch für einschlägige Fachausdrücke und allgemeine Begriffe aus Fachlexika sowie einfache mathematische Formeln.“[4]
Damit du in Zukunft in allen deinen wissenschaftlichen Arbeiten (bspw. Seminararbeiten, Bachelor- oder Masterarbeit) immer regelkonform zitierst, haben wir hierfür einen Entscheidungsbaum gebastelt, wenn es sich um kein (fachliches) Allgemeinwissen (=[Fach-]Lexikon) handelt:

Plagiate: Clever und dumm dreist?
Diese Frage ist in vielerlei Hinsicht leicht zu beantworten!
(1) Kein Prof der Welt verlangt von einem Studenten, dass man in einer Seminar-, Bachelor- oder Masterarbeit das Rad neu erfindet. Zumal die Bearbeitungszeit sehr kurz bemessen ist. Als Student musst du die Fähigkeit unter Beweis stellen, dass du mit der Literatur wissenschaftlich umgehen kannst und die entsprechenden Schlussfolgerungen für dein Thema entwickeln kannst. Also kein Grund, um fremde Quellen nicht offenzulegen! Fazit: Dumm dreist!
(2) Die Lehrstühle sind seit längerer Zeit hinsichtlich Plagiatsversuchen von Studentenseite sensibilisiert. Weder der Prof noch die Fakultät, das Institut oder die Universitätsleitung möchten sich solchen Vorwürfen ausgesetzt sehen. Digitale Prüfprogramme können Plagiate mit Knopfdruck erfolgreich aufdecken. Zudem gibt es einige Signale für den Korrektor, wie bspw. Stil-, Argumentations-, Inhaltsbrüche etc. Fazit: Dumm dreist!
(3) Die Konsequenzen von nachgewiesenem Plagiarismus können gravierend sein. Meistens droht nicht nur die Rückgabe der Arbeit, sondern ebenso die Exmatrikulation. Das bedeutet, dass du i.d.R. die Grundlage für deine spätere Berufsausübung verlierst! Auch eine spätere Aberkennung ist – wie im Fall zu Guttenbergs – möglich. Fazit: Dumm dreist!
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass Plagiarismus verheerende Konsequenzen nach sich ziehen kann. Zumal nicht jeder Student sich auf das Amt des Verteidigungsminister bzw. auf seinen adligen Titel zurückziehen kann
Sei cleverer!
Viel Erfolg beim wissenschaftlichen Arbeiten,
Alex
PS: Wie ist deine Meinung? Gibt es weitere Unklarheiten beim Zitieren? Was sind deine Erfahrungen?
[1] Theisen, M. R., Wissenschaftliches Arbeiten, Technik – Methodik – Form, 13. Aufl., München: Vahlen 2006, S. 148.
[2] Theisen, M. R., Wissenschaftliches Arbeiten, Technik – Methodik – Form, 13. Aufl., München: Vahlen 2006, S. 151.
[3] Theisen, M. R., Wissenschaftliches Arbeiten, Technik – Methodik – Form, 13. Aufl., München: Vahlen 2006, S. 152.
[4] Theisen, M. R., Wissenschaftliches Arbeiten, Technik – Methodik – Form, 13. Aufl., München: Vahlen 2006, S. 141.


Danke für die Zusammenfassung.
Es gibt meines Wissens nach noch eine Form des (indirekten) Zitierens, wo keine Fußnoten genutzt werden und welche eher in technischen Arbeiten zu finden ist. Stattdessen wird im Satz in eckigen Klammern vgl. und eine Kennung aus Namen und Erscheinungsjahr angegeben, die hinten im Literaturverzeichnis dann mit den vollständigen Angaben gelistet ist.
Satz mit angelehnten Inhalten [vgl. TH2006].
Kann das jemand bestätigen? Gesetzt dem Fall, müsste man vielleicht noch die Zielgruppe dieses Artikels definieren.
Hallo “Raktenschnitzel”,
besten Dank für Dein Feedback bzw. Deine Frage.
Ja, selbstverständlich gibt es diese Zitierweise (vgl. TH, 2006, S. XY). Man nennt diese Methode des Kurzverweises auch die “Harvard-Methode”. Bei dieser Methode verzichtet man auf Fußnoten am Seitenende und fügt den jeweiligen Quellenverweis direkt nach den übernommenen Gedanken mit Hilfe von Klammern in den Text ein.
Beispiel: Text XYZ (vgl. Autor, Jahr, Seite).
Vorteile:
+ einfacher umsetzbar
+ keine Probleme bei Seitenumbrüchen (z.T. kommt es vor, dass der Text der Fußnoten aus Platzmangel vom Textverarbeitungsprogramm auf die nächste Seite gezogen wird)
+ keine umständliche Fußnoten-Suche
Nachteile
- ergänzende Kommentare sind kaum unterzubringen
- Lesefreundlichkeit leidet aufgrund der Klammern im Text
Oftmals wird die Zitierweise in wissenschaftlichen Arbeiten von den jeweiligen Lehrstühlen festgelegt. Falls dem nicht so ist, dann solltest du die Vor- und Nachteile der Fußnotenmethode sowie der Harvard-Methode gegenüber stellen.
Für die Unentschlossenen: Überlege, ob du die Quellenverweise auch für zusätzliche Hinweise – die zwar eine nachrangige Bedeutung haben, aber aus deiner Sicht nicht unerwähnt bleiben sollten – in deiner Arbeit nutzen möchtest. Im dem Fall solltest du dich bei Wahlfreiheit für die Fußnotenmethode entscheiden.
Ich hoffe, dass die Sache nun etwas klarer wurde.
Wir zitieren richtig! In dem Sinne, viele Grüße
Alex
Finde es gut, dass ihr das Thema aufgegriffen habt, da diesbezüglich viele Unsicherheiten herrschen und das Thema meiner Meinung nach in der Schule viel zu kurz gekommen ist.
Allerdings bin ich nach wie vor unsicher, was das indirekte Zitieren anbelangt. Wo und wie lässt sich Allgemeinwissen abgrenzen? Wenn man bspw. eine Naturwissenschaft studiert, gehört für einen selbst, vieles zum Grundwissen, für die Allgemeinbevölkerung vllt. aber nicht. Muss man dann auch in Grundlagenbüchern suchen, um seine Grundlagen indirekt zitieren zu können, obwohl man sie selbst im Kopf hat? …
Vielleicht könntet ihr da ja noch einen konkreteren Artikel zum Thema bringen?
Würde mich sehr darüber freuen!!!
Viele liebe Grüße,
Katrin.
Hallo Kathrin,
Deinen Vorschlag haben wir uns gleich notiert. Wir werden einen Artikel zum Thema “indirekte Zitate” in den nächsten Wochen veröffentlichen. An der Stelle gibt es die meisten Unsicherheiten bzw. “Grauzonen”.
Kommt …
Grüße und Danke,
Alex
Hallo,
wie sieht es aus, wenn ich einen Text lese und den Inhalt mit eigenen Woten wiedergebe? Ist das dann ein indirektes Zitat, bei dem ich “Vergleiche” ansetzen muss?
Gruß
Sarah
Hallo Sarah,
ja, genau richtig. Wenn Du einen Inhalt in eigenen Wörtern wiedergibst, dann reicht ein “Vgl.”
Bei weiteren Unsicherheiten melde Dich bitte. Viele Grüße
Alex
Die neue Ausgabe von Theisen (“Wissenschaftliches Arbeiten”, 15. Auflage 2011) und deren Gebrauch ist nach wie vor die beste formale Vorbereitung auf jegliche akademische Arbeit!
Guten Tag Herr Prof. Müller-Hedrich,
besten Dank für Ihren Kommentar … dem nichts mehr hinzuzufügen ist. Das Buch von Herrn Prof. Theisen ist mit Sicherheit DAS Standardwerk für wissenschaftliches Arbeiten im Studium.
Viele Grüße
Alex R.
Ich hab mal gehört das, dass vgl. garnicht mehr gesetzt werden muss …stimmt das?
[...] wird der Inhalt eines Dritten wörtlich übernommen (direktes Zitat) oder nur sinngemäß in eigenen Wörtern umschrieben (indirektes Zitat). D.h. konkret, sobald [...]
Inhaltlich hilfreicher Zugang für absolute Neulinge. Ihr Engagement ist lobenswert.
Die Rechtschreibfehler in Ihren Ausführungen machen selbige allerdings nicht gerade vertrauens- und schon gar nicht zitierwürdig.
Übrigens – es heißt: Plagiarismus. Nichts für ungut.
Hallo Erna,
besten Dank für das Feedback und das Offenlegen des Fehlerteufels. Leider sind wir davor auch nicht geschützt.
Danke für die Mitarbeit und viele Grüße
Alex